Gärtnerei im Thurgau um 1906  
 

Meldung vom 9. September 1906 Im Thurgau beginnt es zu tagen; Sonntag, den 9. September 1906, haben wir Thurgauer Gärtner uns zur Gründung des „Thurgauer Gärtnerverbandes“ ermannt und es ist wahrlich nicht mehr zu frühe, dass wir uns einmal aufgerafft; denn die Verhältnisse sind nachgerade so unhaltbar geworden, dass bloss noch der verbohrteste Egoist sich wohl fühlen kann dabei. Wir hoffen, dass der Benjamin unter den schweizerischen Gärtnerverbänden nicht lange Stiefkind bleibe.

 

Pflanzenschutz vor 100 Jahren

Desinfektion der Gewächshäuser mit Blausäure. Die Blausäure ist nicht nur eines der heftigsten Gifte für den Menschen, sondern auch für die Insekten an den Treibhaus-gewächsen. Bei einem Versuch wurden in einem aus Eisenblech konstruierten Zylinder ein Liter Wasser und 625 Gramm Cyankali und ein Liter Schwefelsäure gegeben; so wurden 2 1/2 Gramm Blausäure per Kubikmeter des Versuchsraums erzeugt.

Man liess das Gas eine Stunde lang einwirken. Keine Pflanze zeigte irgendwelche Schädigung. Die Schildläuse an den Pflanzen waren tot.

 


Schildlaus

 

Reblausbekämpfung im Thurgau

Mit den Resultaten der Reblausbekämpfung ist man im Thurgau nicht ganz zufrieden. Der erste thurgauische Reblausherd ist 1896 in den Reben von Kalthäusern und Weingarten (östl. Ausläufer des Immenbergs) entdeckt worden. Bisher sind im Kt. Thurgau für die Vernichtung der Reblaus vom Kanton 240’000 Fr. und vom Bund 125’000 Fr. verbraucht worden.

Die Stellung gegenüber den Arbeiterforderungen (Auszug aus einem Referat von 1906)

Der Referent anerkennt und befürwortet in erster Linie die billigerweise von einem tüchtigen soliden Arbeiter zu stellenden Forderungen. Verurteilt aber ebenso scharf die bei Arbeiterbewegungen und Streiken vorkommenden Ausschreitungen, bei denen es sich weniger um die soziale Wohlfahrt, als vielmehr um die Machtfrage handelt.

«Sabot» (langsames, schlechtes Arbeiten und möglichste Schädigung des Arbeitgebers) und „direkte Aktion“ (nur 8 Stunden arbeiten und dann die Arbeit verlassen) zeigen, dass die Arbeiter die Sklaven berufsmässiger, vaterlandsloser Hetzer werden …

Die Heckenschere

Das abgebildete Gerät kann nur mit zwei Personen betrieben werden.


Schnittlänge 70 cm / Gesamtlänge 143 cm

 

9-Stunden-Tag …

Vom Generalstab der schweizerischen sozialistischen Arbeiterpartei ist die Parole ausgegeben worden, den 9-Stunden-Tag im Baugewerbe durchzudrücken. Wenn man die Arbeiter dieser Berufe selbst befragt, erhält man von den Vernünftigen – und diese bilden gottlob noch einen schönen Prozentsatz – die Antwort, dass sie gerne noch 10 Stunden arbeiten.

Von oben heisst es aber: Ihr dürft nicht!

Arbeitsregelung um 1907

Arbeitszeit:
Beginnt von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends
Unterbruch von 12–1 Uhr
zwei Pausen von 15 Minuten Dauer

Stundentarif:
Meister: Fr. –.70 bis –.80
Arbeiter: Fr. –.50 bis –.60
Hilfsarbeiter: Fr. –.40 bis –.50
Taglohn: Fr. 2.80 mit Kost